die Vinschgerbahn 2005

 

                     a)       die Betriebsform  

                     b)    das neue Rollmaterial

                                                   und die neue Farbe

               c)     zu erwartende Einnahmen und Ausgaben

               d)     die Wichtigkeit der Bahn

 

a.   Die Betriebsform

Die Konzession für den Personen- und Gütertransport war von der Landesverwaltung schon 1995 für die Dauer von neun Jahren an die SAD Nahverkehrs AG vergeben worden. Laut Beschluss des Südtiroler Landtages wird die Betriebsführung dann europaweit ausgeschrieben. Diese endgültige Ausschreibung ist zurzeit noch offen. Ein Betriebskonzept für die Vinschgerbahn wurde von Ing. Hüsler aus Zürich erstellt.

Vorgesehen ist ein Stundentakt von Meran bis Mals und Halbstundenzüge in den Stoßzeiten auf dem Abschnitt Meran - Schlanders. Die Infrastruktur ist auf eine spätere Verdichtung zum Halbstundentakt Meran - Schlanders ausgelegt, dessen Realisierung von entsprechender Nachfrage abhängt. Regelmäßige Kreuzungen finden im Bereich Marling / Töll statt, ebenso in Schnals und Schlanders. Bei Realisierung des Halbstundentaktes würde auch Latsch zum Kreuzungsbahnhof, weitere Möglichkeiten bestehen in Laas und Spondinig. 

Laut dem „Verein Freunde der Eisenbahn“ könnte das Betriebskonzept folgendermaßen ausschauen:

1.        Direktzug (Meran - Mals 67 Minuten, Mals - Meran 65 Minuten) Stundentakt. Alle Stationen bis Schlanders, dann nur mehr die Stationen Latsch, Goldrain, Kastelbell, Naturns, Marling, Algund

2.        Regionalzug (Meran - Schlanders 55 Minuten, Schlanders - Meran 54 Minuten) alle Bahnhöfe, Stundentakt. I. Phase: Regionalzug alle 3 oder 4 Stunden, II. Phase: Die Regionalzüge (alle 2 Stunden) fahren bis Bozen durch

3.        Anschluss Meran: Koppelung der Züge (4 Sekunden), Aufenthaltszeiten 4 Minuten in Richtung Bozen und 3 Minuten in Richtung Schlanders.

4.        Autobus: Anschluss der Seitentäler in Spondinig und Mals, sowie Schlanders. I. Phase Stundentakt bis Kastelbell und ½ Stundentakt bis Naturns, II. Phase Stundentakt bis Naturns. Der Bus in das Schnalstal fährt über den Bahnhof Naturns nach Meran durch.

Der erste effektive Fahrplan wurde Mitte April 2005 veröffentlicht, mit Wirkung ab dem Eröffnungstag vom 5. 5. 2005. Tatsache ist jedoch, dass ein Nebeneinander von Vinschgerbahn und den bisher eingesetzten Linienbussen, aus Kostengründen nicht bzw. nur teilweise möglich sein wird. Die Bevölkerung, die sich mittlerweile an die ortsnahen Bushaltestellen gewöhnt hat, fordert nun Zubringerdienste zu den teilweise entlegenen Bahnhöfen. Das Land möchte allen Gemeinden, in denen bisherige Busverbindungen künftig ausfallen werden, Geldmittel bereitstellen. Dort wo bisher schon keine öffentlichen Anbindungen bestanden, sollten sich aber die einzelnen Gemeinden um die Durchführung und Finanzierung kümmern. Diese Aufgabe sollte von den Gemeinden nicht unterschätzt werden; denn eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ist Voraussetzung für dessen Inanspruchnahme.

Für den Anschluss in Meran gibt es 3 Varianten:

1.        Die Vinschgerbahn fährt bis zur Endstation Meran, wo die Fahrgäste zum Weiterfahren nach Bozen umsteigen müssen.

2.        Die Vinschgerbahn fährt bis Meran, wo sie an eine Bahn der FS gekoppelt wird. Endstation: Bozen

3.        Die Vinschgerbahn fährt direkt bis Bozen

Die Südtiroler Transportstrukturen bemühen sich derzeit um eine Vereinbarung mit FS Trenitalia über die gekoppelte Weiterfahrt der Diesel - GTW mit den Wendezügen der FS. Die Vinschger GTW besitzen deshalb eine Scharfenberg-Kupplung, die zu jener der E 464 der FS passt. Ob diese kombinierte Weiterfahrt zustande kommt, ist noch nicht klar, weil die FS für das Kupplungsmanöver einen zehnminütigen Aufenthalt fordern.

Die Strecke Meran - Mals wird mit einmann besetzten GTW ohne örtliches Bahnhofspersonal von einer Fernsteuerzentrale in Meran aus betrieben werden. Entlang der Strecke wird ein Glasfaserkabel für Breitbandkommunikation verlegt, das auch eine Vielzahl von Videoüberwachungen in die Leitzentrale überträgt.

Die Bahnhöfe und Haltestellen erhalten folgenden Standard: Warteraum oder Sitzplätze, Fahrkartenautomat, Telefon, Videoüberwachung, Parkplätze für Busse, Autos, Fahrräder und Taxi.

Die 30-jährige Konzession für die Nutzung der Bahnhöfe wurde von der Landesregierung an die einzelnen Gemeinden vergeben. Diese können über die Zwecksbestimmung dieser Gebäude entscheiden. Verwendungsmöglichkeiten für die Räumlichkeiten wären z. B. Gastbetriebe, Vereinslokale oder die Unterbringung von Rettungsdiensten.

Die Wiederaufnahme des Güterverkehrs ist später möglich, aber in der Anfangsphase noch nicht vorgesehen.

Ob und wie weit die bahnhistorisch wertvollen Ensembles, wie z. B. fünfzackiger Gleisstern in Mals, erhalten bleiben, wird separat geprüft. Nicht mehr benötigte Nebengleise werden voraussichtlich abgebaut.

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b.   Neues Rollmaterial für die Bahn                                  

Zur Modernisierung der Vinschgerbahn gehört auch das neue Rollmaterial. Durch verschiedene Klauseln in der Ausschreibung der neuen Triebwagen reduzierte sich die Auswahl auf den GTW 2/6 von Stadler und den dieselelektrischen Talent von Bombardier. Der Zuschlag ging an die renommierte Firma Stadler in Bussnang (Thurgau, Schweiz) und es wurden acht dieselelektrische Gelenktriebwagen mit der Typenbezeichnung GTW DMU-2 2/6 in Auftrag gegeben. Diese wurden im Laufe des Jahres 2004 und 2005 geliefert.

Die GTW 2/6 werden erstmals mit dem neuen Antriebskonzept (zwei Dieselmotoren im mittigen Antriebsmodul) ausgerüstet. Diese Bauart ermöglicht niedrigere Emissionswerte und ein größeres Beschleunigungsvermögen. Auf der Strecke Meran - Mals bleibt die Höchstgeschwindigkeit der GTW von 140 km/h hypothetisch, denn im Vinschgau gibt es nur bei Tschars einen einzigen, knapp vier Kilometer langen geraden Abschnitt, der 120 km/h zulassen würde. Der GTW braucht aber drei Kilometer Beschleunigungsweg, um diese Geschwindigkeit zu erreichen.

Die betriebliche Fahrzeit Meran - Mals wird je nach Haltehäufigkeit mit 67 Minuten kalkuliert. Vor der Einstellung des Schienenverkehrs benötigten die Dieseltriebwagen des Typs ALn 668 über 80 Minuten für die 60 km lange Strecke. 

Zwischen den zwei Fahrgastabteilen liegt das Antriebsmodul, welches einen Durchgang von 80 cm Breite für Passagiere und Personal enthält. Der Diesel mit einer Common - Rail Technik und Euro 4 Abgasnorm bringt 600 Kw auf die Räder. Die Leichtbauweise mit Aluminiumstrang - Pressprofilen ergibt ein günstiges Gesamtgewicht von 62 t. Die GTW haben schallgedämpfte Räder des Typs „Syope“, die die Lärmbelästigung in bewohnten Gebieten auf ein Minimum reduzieren.

Bis zu drei Einheiten können in Vielfachsteuerung auf der Strecke verkehren. Stirnseitige Zielanzeigen und Fahrgastinformation für die Haltestellen sind weitere Merkmale. 

Fahrgast- und Führerräume sind klimatisiert, luftgefederte Drehgestelle erhöhen den Komfort. Der Einstieg in den Zug und das geschlossene Toilettensystem sind behindertenfreundlich.

Die Firma Stadler hat eine breite Erfahrung im Bau von leistungsfähigen und zugleich formschönen Triebwagen für den Nahverkehr. Die Liste der bereits abgelieferten oder noch auszuführenden Bestellungen erreicht für Europa bereits eine Zahl von 325 Stück in verschiedenen Spurweiten und Antriebstechniken.

Fahrzeugdaten – Diesel-Elektrischer Gelenktriebwagen GTW DMU-2 2/6

Fahrzeuglänge

39,5 m

Fahrzeugbreite

3 m

Fahrzeuggewicht

62 t

Spurweite

1,435 m

Sitzplätze 2. Kl.

104

Stehplätze (4 Pers./m²)

124

Höchstgeschwindigkeit

140 km/h

Max. Beschleunigung

1,05 m/s²

xx

Nachdem im November 2004 die Landesregierung die Dachmarke Südtirol ins Leben gerufen hatte, kam man auf die Idee, auch die Vinschger Triebwagen in den neuen Farben zu präsentieren. Wahrend dem Probebetrieb und bei der Neueröffnung am 5. 5. 2005 verkehrte eine der neun Garnituren im neuen Look. Über die Umlackierung restlichen Triebwagen wird auf hoher Ebene diskutiert, nachdem die Bevölkerung sich mit der grau - orangen Farbgebung angefreundet hat, und die Bunte Version etliche Diskussionen hervorgerufen hatte. 

neue Farben für den neuen Zug

 

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c.   Zu erwartende Einnahmen und Ausgaben

Für die zukünftigen Kosten und Einnahmen für den Betrieb der Vinschgerbahn gibt es im Moment noch keine genauen Zahlen. Laut einer Studie schätzt man die geplanten Betriebskosten auf 7 € pro Zugkilometer. Dabei sind die Aufwände für Abschreibungen und Instandhaltung enthalten. Bei einer geplanten Anzahl von 1 Million Zugkilometer im Jahr belaufen sich die Betriebskosten auf 7.000.000 € pro Jahr.

Die Einnahmen hängen von der Inanspruchnahme dieses öffentlichen Verkehrsmittels ab. Im öffentlichen Personennahverkehr in Südtirol beträgt der Deckungsgrad im Durchschnitt 30%. Bei der Vinschgerbahn geht man davon aus, dass 40% der Betriebs­kosten durch Einnahmen gedeckt werden, da die Bahn verstärkt vom Tourismus genutzt werden wird. Ein solcher Deckungsbeitrag würde 2.800.000 € an geschätzten Einnahmen im Jahr bedeuten.

Die Fahrpreise werden voraussichtlich jenen entsprechen, die im öffentlichen Personennahverkehr zurzeit in Südtirol eingehoben werden. Bei einer Wertkarte setzt sich der Tarif aus dem Tagessatz von 0,65 € und dem Kilometerentgelt von 0,065 €/km zusammen.

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d.   Die Wichtigkeit der Bahn

Es ist für den Vinschgau wichtig, einen vom Stau unabhängigen Verkehrskorridor nach Meran und in die Landeshauptstadt zu besitzen. Die Bahn verkürzt die Fahrzeit für den öffentlichen Nahverkehr von Mals nach Meran. Die Vinschgerbahn ermöglicht eine schnelle und komfortable Anbindung an die Landeshauptstadt Bozen. Dort befinden sich die Universität, der Flughafen, die Anschlüsse für den internationalen Bahnverkehr, das Regionalkrankenhaus und die verschiedenen Verwaltungsdienste. Viele Menschen studieren oder arbeiten in Bozen.

Neben den Einheimischen profitiert auch der Tourismus von der neuen Vinschgerbahn.

Es könnten z. B. Touristensonderzüge in den Vinschgau fahren. „Skiexpresszüge“ könnten im Winter den Vinschgau ansteuern. Den Touristen könnten Mehrfunktionskarten angeboten werden. Das bedeutet, dass man mit einem „Touristenpass“ einerseits den öffentlichen Personennahverkehr nützen könnte und andererseits Vergünstigungen auf Eintrittskarten in Museen, Ausstellungen oder Theatervorstellungen bekommen könnte. Dies könnte ein Ansporn für die Gäste sein, diese Einrichtungen und Angebote zu nutzen. Bereits in Umsetzung ist der Fahrradverleih in mehreren Bahnhöfen, mit einer Pauschale von 10 Euro kann ein Gast ab Meran mit dem Zug ins Vinschgau fahren, an einem Bahnhof ein Fahrrad leihen, nach einer Tour auf dem bestens ausgebauten Fahrradwegnetz das "Stahlross" wieder, auch auf einem anderen Bahnhof abgeben und mit dem Zug die Rückfahrt antreten. 

Der Erfolg der neuen Vinschgerbahn hängt jedoch hauptsächlich von den Einheimischen ab. Diese müssen dazu gebracht werden, ihr Auto stehen zu lassen und mit dem Zug zur Arbeit zu fahren. Heute wird der öffentliche Nahverkehr hauptsächlich von Schülern genutzt, während der Anteil der Arbeiter und der Bevölkerung im Allgemeinen eher bescheiden ist. Die teilweise entlegenen Bahnhöfe der Vinschgerbahn müssen mit den Ortskernen durch Zubringerdienste verbunden werden, damit das öffentliche Verkehrsnetz von den Bürgern in Anspruch genommen wird. Nur so kann das über 100 Millionen € teure Projekt der Wiederinbetriebnahme der Vinschgerbahn ein wahrer Erfolg werden.

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